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Hörtipp: Podcasts, Radio und die Plattformen

Cover Philip Banse Das Interview

Philip Banse ist uns vor allem bekannt als eine Hälfte des “Lage der Nation” Podcasts, der uns wöchentlich einen Überblick des politischen Geschehens verschafft.
Seit einiger Zeit und in immer kürzeren Abständen veröffentlicht Banse, der außerdem für den Deutschlandfunk (DLF) als Radiojournalist tätig ist, sein Format “Das Interview“.

Direkt zum Podcast

Wer statt unserer Rezension erst mal selbst den Beitrag hören möchte kommt hier direkt zum "Küchenstudio".

Das wir diesen Podcast nicht einfach in unserer Galerie vorstellen sondern so hervorheben, hängt mit der aktuellen (Stand 16.2.2021) Folge zusammen, in der Banse mit dem Journalisten-Kollegen Sandro Schroeder   über eben Podcasts spricht.
Der ist seit Herbst 2018 für Podcast-Entwicklung und Audio-Drittplattformen beim DLF zuständig und hat eine dezidierte Meinung zur aktuellen Entwicklung.

Das Ende des freien Podcastformats?

Derzeit sind Podcast-Produzenten noch sehr frei in der Wahl der Mittel. Neben rudimentären Standards, die für eine Veröffentlichung und Verbreitung zwingend erforderlich sind, werden keine Regeln gesetzt und wer sich im legalen Rahmen bewegt, wird auch mit Inhalten kaum an Grenzen stoßen.
Doch was passiert, wenn die großen Plattformen (und hier ist neben Amazon/Audible natürlich der grüne schwedische Riese Spotify fast schon ein Synonym wie Google für Suchmaschinen) das Geschäft immer mehr übernehmen? Immerhin sind bis zu zwei Dritteln der Podcasthörer inzwischen nur noch über die Musikplattform zu erreichen.
Andererseits wird durch die konkurrierenden Big Player viel Geld investiert, dass auch den Podcast-Machern zugute kommt. Denn das deren Geld nicht aus dem altruistischen Wunsch nach einer breiteren Audiolandschaft mit ausdifferenzierten Themenpodcasts entspringt dürfte klar sein.
Selbst wenn diese weiterhin in den Portalen gelistet werden, könnten sie irgendwann hinter den umsatzträchtigen (weil werberelevanten) Sendungen zurückstehen. Das wird man ihnen dann nicht verdenken können – aber die Rolle des unverzichtbaren Verbreiters, dem viele Nischenproduktionen im Moment noch einen überraschenden Anteil ihres Erfolges verdanken könnte sich dann in s Gegenteil umkehren. So wie Amazon zunächst auch kleinen Händlern einen Marktplatz bietet um sich schließlich mit allen gut laufenden Produkten selbst am Markteingang zu plazieren.
Diskutiert wird auch die Frage, welche Verantwortung den Plattformen dadurch zukommt. Denn wenn sie nicht einfach ein neutraler Podcast-Verbreiter sind, sondern mit der Einordnung und Empfehlung durch Algorithmen in die Auswahl des Hörers eingreifen, können sie sich dann noch auf die unbeteiligte Position zurückziehen?
Eine Debatte, die wir bei anderen Plattformen wie Facebook und Twitter schon lange führen ohne hier zu einem endgültigen Schluss gekommen zu sein.

Welche Chance hat das (öffentlich-rechtliche) Radio?

In einer schwierigen Rolle sind die öffentlich-rechtlichen Radiosender. Sie haben den Podcast-Boom in Deutschland beschleunigt und produzieren neben dem linearen Programm (dass immer von der Angst besetzt ist, zufällig reingestolperte Hörer gleich wieder zu vergraulen) hervorragende Features und andere Podcast-Inhalte.
Doch zu träge und unkoordiniert um eine eigene relevante Plattform zu erschaffen (beim Blick auf die meisten Radioapps besteht hier auch keine Hoffnung) füttern sie zwangsläufig die kommerziellen Plattformen mit ihren Qualitätsinhalten.
Doch diese erwarten natürlich, dass sich das Investment irgendwann auszahlt und könnten auch den Rahmen des Erlaubten deutlich beschneiden.
Banse und Schroeder greifen diese Themen kritisch auf und betrachten sie von verschiedenen Seiten – in einem Format, dass eben nur im Podcast so möglich ist. Natürlich kommt es dabei auch zu einem aktuellen Ausflug zum Clubhouse, dass irgendwo zwischen diesen Medien steht.

Fazit: Absolute Hörempfehlung für alle, die sich mit Podcast, Radio und allem dazwischen befassen!

DI095 Podcasts, öffentlich-rechtliches Radio und die Plattformen (Sandro Schroeder, Deutschlandradio)